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Der Name
1.2 Der Name

Tai Chi kann als Kultivierung von Chi (fließenden Bioenergien) übersetzt werden. Chuan heißt "Faust" oder "Boxen" wird manchmal auch als Schattenboxen bezeichnet.

Tai Chi meint ursprünglich den Firstbalken, der das Dach trägt "das Erhabene Letzte" oder Tao. Damit verweißt es auf den mystischen Bezug, der auf eine Einheit mit der gesamten Energie oder den Universum hinzielt. Niederschlag findet diese chinesische Tradition im I Ging, dem "Buch der Wandlungen". Das Prinzip dieser Tradition ist die Polarität archetypischer Gegensätze in Natur und menschlichen Leben:

  • Positiv - negativ
  • stark - schwach
  • männlich - weiblich
  • aktiv - passiv
ausgedrückt durch das Urpaar Yin und Yang.

Ein Symbol des Tai Chi ist der Kreis, der zusammengesetzt ist aus zwei Teilen, die wie zwei stilisierte Fische aussehen, einer schwarz (Yin repräsentiert den dunklen weiblichen, negativen Aspekt), der andere weiß(Yang, den hellen männlichen, positiven spekt), jeder mit einem Auge der gegensätzlichen Farbe. Das Bild deutet Drehung und dauernden Wechsel an.

Das Tai Chi Symbol repräsentiert eine Auffassung der Welt als System ständiger Wandlung. Das höchste Gesetz symbolisiert durch den leeren Kreis bewegt sich und schafft Yang die Bewegung, den Anfang der Schöpfung. Wenn Yang sein Äußerstes erreicht hat, erschafft es Yin, die Stille, die Vollendung der Schöpfung. Wenn die Stille ihr äußerstes erreicht hat, kehrt sie zurück zur Bewegung. Yin und Yang erzeugen sich gegenseitig und erschaffen so, in engem Zusammenspiel, das Universum und die "zehntausend Dinge". Die Welt hat keinen Anfang und kein Ende, sondern nur den ständigen Wechsel von Beginnen und Enden. Und hinter dem Phänomen des Wandels steht das Unwandelbare, Tai Chi oder Tao. Polarität sind untrennbare Gegensätze, wie die beiden Seiten einer Münze.
Im chinesischen Denken liegt das wesentlich Gute der Natur genau in diesem "Gut-und-Schlecht". Die beiden schließen sich nicht aus: Sie spielen ewig in einer bestimmten Ordnung.
Weisheit besteht im Aufspüren dieser Ordnung und darin, mit ihr im Einklang zu handeln... Da entsteht eine Anschauung, die den Wert und das Wesentliche des Lebens nicht im Kampf, um ständigen Aufstieg sieht, sondern als einen Tanz. Tugend und Harmonie liegen nicht darin, daß man das Positive betont, sondern ein dynamisches Gleichgewicht bewahrt.
Die fließenden Übungen das Tai Chi können auch als Tanz gesehen werden - in ihnen ist das dynamische Gleichgewicht der Gegensätze verwirklicht.

Die Bewegungen gehorchen dem Wechsel von Yin und Yang:

  • Ruhe - Bewegung
  • ausatmen - einatmen
  • geschlosssen - offen
  • zurück - vor
usw.

Der Tai Chi Meister verkörpert das Tai Chi Symbol. Wenn er Tai Chi "tanzt", verwirklicht er innerlich das "höchste Gesetz", d.h. ohne Gedanken oder affektive Beweggründe - mit dem Anschein der "Leere" - geht er ganz darin auf, äußerlich, in seinen Bewegungen, das dynamische Gleichgewicht von Yin und Yang zu realisieren und innerlich die Energien als Ausdruck der kosmischen Energien fließend zu spüren.