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Tai Chi kann als Kultivierung von Chi (fließenden
Bioenergien) übersetzt werden. Chuan heißt "Faust"
oder "Boxen" wird manchmal auch als Schattenboxen
bezeichnet.
Tai Chi meint ursprünglich den Firstbalken, der das
Dach trägt "das Erhabene Letzte" oder Tao. Damit
verweißt es auf den mystischen Bezug, der auf eine
Einheit mit der gesamten Energie oder den Universum
hinzielt. Niederschlag findet diese chinesische
Tradition im I Ging, dem "Buch der Wandlungen".
Das Prinzip dieser Tradition ist die Polarität
archetypischer Gegensätze in Natur und menschlichen Leben:
- Positiv - negativ
- stark - schwach
- männlich - weiblich
- aktiv - passiv
ausgedrückt durch das Urpaar Yin und Yang.
Ein Symbol des Tai Chi ist der Kreis, der
zusammengesetzt ist aus zwei Teilen, die wie zwei
stilisierte Fische aussehen, einer schwarz
(Yin repräsentiert den dunklen weiblichen, negativen
Aspekt), der andere weiß(Yang, den hellen männlichen,
positiven spekt), jeder mit einem Auge der gegensätzlichen
Farbe. Das Bild deutet Drehung und dauernden Wechsel an.
Das Tai Chi Symbol repräsentiert eine Auffassung der
Welt als System ständiger Wandlung. Das höchste
Gesetz symbolisiert durch den leeren Kreis bewegt
sich und schafft Yang die Bewegung, den Anfang
der Schöpfung. Wenn Yang sein Äußerstes erreicht hat,
erschafft es Yin, die Stille, die Vollendung der Schöpfung.
Wenn die Stille ihr äußerstes erreicht hat, kehrt sie
zurück zur Bewegung. Yin und Yang erzeugen sich gegenseitig
und erschaffen so, in engem Zusammenspiel, das Universum
und die "zehntausend Dinge". Die Welt hat keinen Anfang und
kein Ende, sondern nur den ständigen Wechsel von Beginnen
und Enden. Und hinter dem Phänomen des Wandels steht das
Unwandelbare, Tai Chi oder Tao. Polarität sind untrennbare
Gegensätze, wie die beiden Seiten einer Münze.
Im chinesischen Denken liegt das wesentlich Gute
der Natur genau in diesem "Gut-und-Schlecht". Die
beiden schließen sich nicht aus: Sie spielen ewig
in einer bestimmten Ordnung.
Weisheit besteht im Aufspüren dieser Ordnung und
darin, mit ihr im Einklang zu handeln...
Da entsteht eine Anschauung, die den Wert und das
Wesentliche des Lebens nicht im Kampf, um ständigen
Aufstieg sieht, sondern als einen Tanz. Tugend und
Harmonie liegen nicht darin, daß man das Positive betont,
sondern ein dynamisches Gleichgewicht bewahrt.
Die fließenden Übungen das Tai Chi können auch als
Tanz gesehen werden - in ihnen ist das dynamische
Gleichgewicht der Gegensätze verwirklicht.
Die Bewegungen gehorchen dem Wechsel von Yin und Yang:
- Ruhe - Bewegung
- ausatmen - einatmen
- geschlosssen - offen
- zurück - vor
usw.
Der Tai Chi Meister verkörpert das Tai Chi Symbol.
Wenn er Tai Chi "tanzt", verwirklicht er innerlich
das "höchste Gesetz", d.h. ohne Gedanken oder
affektive Beweggründe - mit dem Anschein der
"Leere" - geht er ganz darin auf,
äußerlich, in seinen Bewegungen, das dynamische
Gleichgewicht von Yin und Yang zu realisieren und
innerlich die Energien als Ausdruck der kosmischen
Energien fließend zu spüren.
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