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Heilgymnastik
Heilgymnastik

Man kann zwei Arten von Gesundheit unterscheiden: "natürliche" oder "künstliche". Künstliche Gesundheit ist das Ergebnis der Anwendung von Erungenschaften der modernen Medizin, wie Medikamente, spezieller Diät, Vitaminen, periodischen ärztlichen Untersuchungen. Natürliche Gesundheit entsteht, wenn der Organismus auf natürliche Weise dazu gebracht wird, genügend Widerstandskräfte gegen Infektionen und vorzeitige Abnutzung zu entwickeln. Tai Chi Chuan als Heilgymnastik ist eine Methode, die zu natürlicher Gesundheit verhilft. Ihr Prinzip liegt darin, durch maßvolle Bewegung den Organismus zu normaler, natürlicher Tätigkeit anzuregen und zu stärken, Energie ohne Anspannung, Stärke ohne Härte, Vitalität ohne Nervosität und die rechte Gelassenheit zu erlangen.

Hua To, der berühmte chinesische Arzt, sagte: "Der menschliche Körper will Arbeit und Bewegung haben, nur sollen diese nicht bis an die Grenzen des Körpers getrieben werden.
Wenn der Körper in Tätigkeit ist, verdaut er die Nahrungsstoffe, und das Blut durchströmt ihn, so daß keine Krankheit entstehen kann, genau wie eine Türangel, die nie verfault."
Folgende positive Wirkungen auf den Organismus werden Tai Chi Chuan zugeschrieben:

  1. Es hält Yin und Yang im Gleichgewicht
  2. Es Harmonisiert das Chi und den Blutkreislauf.
  3. Es reguliert die Atmung (Anzahl der Atemzüge wird geringer, der Atem wird tief, langsam und regelmäßig)
  4. Es fördert die Verdauung (das Zwerchfell massiert Magen und Darm)
  5. Es verbessert den Kreislauf und die Herztätigkeit (die Zahl der weißen Blutkörperchen wächst, die Arbeit des Herzens verringert sich, der Blutdruck sinkt)
  6. Es beeinflußt günstig das Nervensystem
  7. Es verbessert Körperhaltung und -mechanik, verbessert den Muskeltonus, kräftigt Bänder und Gelenke, schärft den "kinästhetischen Sinn" (d.h. verbessert Fähigkeit, Bewegungen zu empfinden und wahrzunehmen).

Es sind drei besondere Eigenschaften von Tai Chi, die diese Wirkungen verursachen: Haltung, Bewegungsweise und Atmung.

Körperhaltung

Im Tai Chi wird der Rumpf, einschließlich des Kopfes, als Einheit betrachtet. Er wird aufrecht gehalten. Scheitelpunkt, Wirbelsäule und Steißbein werden in eine Linie gebracht, d.h. die Krümmung der Wirbelsäule besonders die im Bereich der Lendenwirbel, werden ausgeglichen und der Rücken wird gerade. Das Becken bzw. Kreuzbein steht aufrecht und gibt so das Gewicht des Rumpfes direkt an die Beine weiter. Die Beine sind ständig in einer Art Viertel-Hocke gebeugt, dabei entspannt und leiten so das Körpergewicht direkt auf die Füße weiter. Durch diese Beinhaltung werden Bein- und Gesäßmuskulatur allmählich gestärkt. Die Tai - Chi - Haltung ermöglicht dem Körper die bestmögliche Anpassung an die Schwerkraft. Füße, die einen guten Stand haben und starke Beine können ihrer Aufgabe gerecht werden, den Körper zu tragen. Sind sie zu schwach, muß die Muskulatur des Oberkörpers helfen, den Körper aufrecht zu halten. Diese Haltung ermöglicht weiter eine funktionale Mechanik der Bewegungen. Der Schwerpunkt sinkt ins Becken, und die Hüfte wird die Basis aller Bewegungen. Der Rumpf gewinnt die Vorherrschaft über die Glieder, d.h. die Kraft einer Bewegung kommt aus der Rumpfbewegung und nicht aus Schultern und Armen, wie es meistens der Fall ist. Nur die Muskeln, die für eine Bewegung wirklich nötig sind, werden eingesetzt, Verspannungen können sich auflösen, die Gelenke werden kräftig und beweglich, Energie wird gespart und die Bewegungen werden leicht und anmutig.
Da der Rumpf bei entspannter Muskulatur des Oberkörpers in der Soloübung fast ständig aufrecht gehalten wird, kommen die inneren Organe an die richtige Stelle, werden nicht gedrückt oder gezerrt, können normal arbeiten und das Chi kann frei zirkulieren.
Starke Beine spielen darüber hinaus eine wichtige Rolle als Pumpe für Herz und Kreislauf. Die Venenklappen hindern das Blut daran, vom Herzen wegzufließen, wenn die Venen von den sich zusammenziehenden Muskeln zusammengedrückt werden. So wirkt ein guter Muskeltonus und Aktivität in den Beinen dem Zug der Schwerkraft in der aufrechten Haltung des Körpers entgegen, und mehr Blut gelangt zum Herzen, um dann zum Gehirn und anderen lebenswichtigen Organen weitergeleitet zu werden.

Die Bewegungsweise

a.) Äußere Bewegung: Entspannt, langsam, fließend, rund und rhythmisch.
Im Tai Chi gibt es keine extremen Bewegungen. Die Beanspruchung des Körpers geht nie bis an die Grenze von Müdigkeit und Überanstrengung. Das langsame Tempo der Bewegungen bewirkt, daß der Organismus allmählich aufgewärmt wird. Verletzungen und Zerrungen werden vermieden. Zu Beginn der Soloübungen sind die Bewegungen sanft und einfach, ihr Schwierigkeitsgrad steigert sich erst im weiteren Verlauf. Die Bewegungen sind so strukturiert, daß nacheinander alle Muskeln gleichmäßig beansprucht werden und kein Teil des Körpers überanstrengt wird. Die Tai Chi Bewegungen regeln ihren Sauerstoffbedarf selbst. Der Sauerstoffbedarf ist bei langsamen Bewegungen geringer als bei heftiger Aktivität, gleichzeitig gelangt durch die tiefe Atmung mehr Sauerstoff in die Lungen. Die langsamen, rhythmischen Bewegungen wirken anregend auf den Kreislauf, ohne den Herzschlag zu beschleunigen, so daß der Sauerstoff rasch dahin gelangt, wo er gebraucht wird.
Ohne Beschleunigung des Atmens, ohne Herz und Kreislauf zu belasten und ohne Überanstrengung oder Verletzung der Muskulatur wird der Körper mit der Zeit sehr leistungsfähig und ausdauernd.
Entscheidend ist dabei, die Muskeln völlig zu entspannen. Angespannte Muskeln stören das Gleichmaß des Kreislaufes und verhindern die Sensibilität der Hautnerven, die zu entwickeln ein wichtiges Ziel in Tai Chi Chuan ist. Nur entspannte Muskeln erlauben das Zirkulieren des Chi, das den Blutkreislauf antreibt und sie selbst geschmeidig und kräftig und die Haut weich und sensibel macht.

b.) Innere Bewegung: Der Geist ("psychische Kraft", Vorstellungskraft, Wille) ist die lenkende Kraft der Bewegung. Was Tai Chi von Gymnastik unterscheidet, ist die Tatsache, daß der "Geist" die lenkende Kraft ist, die den Körper in Bewegung setzt. Es geht um die gleichmäßig fließende gespürte Bewegung. Jede Bewegung wird durch einen Akt der Kontemplation innerlich vorweggenommen. Sie wird nie rein mechanisch gemacht. Die Aufmerksamkeit ist voll konzentriert und gesammelt. Die Sammlung der Konzentration führt zur Aktivierung von Chi und Erwärmung des Körpers. Stille und Gedankenleere sind die Voraussetzungen zum Üben. Aus dieser Stille heraus bewegt die psychische Kraft den Körper. Die langsamen Bewegungen wirken beruhigend auf das Nervensystem und auf die inneren Organe und Drüsen, die vom Willen normalerweise nicht beeinflußt werden können. Von den Organen und Drüsen gehen beruhigende Impulse wieder zurück zum Gehirn. Auf diese Weise wird das gesamte Nervensystem geübt. Die aufrechte Haltung des Rumpfes hilft dabei, das Gehirn wachzuhalten und das Rückenmark zu stärken. Nach dem Üben fühlt man sich beruhigt, erfrischt und erholt, als ob einem "innerlich der Kopf gewaschen worden wäre".

Bewußt kontrollierte Bauchatmung

Im Tai Chi Chuan wird tief, ruhig und lang geatmet. "Tief" heißt das der Atem durch die lenkende Kraft des Geistes beim Einatmen nach unten zum sogenannten "Tan Tien" gesenkt wird, und beim Ausatmen von dort wieder nach außen fließt. Das "Tan Tien" ist ein wichtiges Körperzentrum im Tai-Chi-System. weder ein anatomischer noch physiologischer Begriff, ist er sozusagen ein "psychisches oder energetisches" Zentrum.
Gehen sie vom Nabel 2 bis 3 Fingerbreiten nach unten und stellen sie sich vor das der Punkt, auf den sie stoßen, nicht auf der Haut, sondern ein kleines Stück innen im Bauch liegt. "Ruhig" atmen heißt, langsam und weich zu atmen und "lang" ganz durchzuatmen.
Diese Atemmethode heißt im Tai Chi "herunter zum Tan Tien atmen". Modern ausgedrückt ist das die Methode der bewußt kontrollierten Bauchatmung.

Tan Tien

Eingeatmet wird durch die Nase, Bauch entspannt, so daß das Zwerchfell sich zusammenziehen und senken kann, ohne daß Brust und Schultern sich heben. Indem es sich senkt, drückt das Zwerchfell die inneren Organe nach unten, so daß der Bauch hervortritt und die Lunge sich füllen kann. Beim Ausatmen (ebenfalls durch die Nase) steiget es nach oben und drückt die Luft aus den Lungen, die Bauchmuskeln ziehen sich zusammen, und der Bauch sinkt ein. Die Aufmerksamkeit wird dabei auf den "Tan Tien" gerichtet. Mit der Zeit und ohne willkürliche Betätigung der Bauchmuskulatur geht der Atem "herunter zum Tan Tien", d.h. der Unterbauch macht die Atembewegung mit. Je mehr das Zwerchfell sich senkt und steigt und je mehr die Bauchmuskeln arbeiten, desto größer wird die Kapazität der Lungen, die bis in ihre untersten Spitzen hinein gefüllt werden. Zu spüren, wie der Atem in den Unterbauch (zum "Meer des Atems") heruntergeht, hat eine wohltuende und entspannende Wirkung.
Ein Meister beschreibt den Zustand des Körpers nach langem Üben von Tai Chi Chuan :
"Die Wangen sind von gesunder roter Farbe, die Schläfen voll pulsierendem Leben, die Ohren karmesinrot, sie hören scharf, und die Augen sind hell und funkeln vor Energie. Die Stimme ist laut und trägt weit. Der Atem geht regelmäßig, ohne Hast und Keuchen. Zähne, Zahnfleisch und Kiefer sind gesund und stark. Die Schultern und die Brust sind kräftig und geschmeidig. Der Bauch ist stark und elastisch wie das Fell einer Trommel. Die Füße stehen so sicher, als seien sie im Boden verwurzelt, und sind doch fähig, von fest nach leer zu wechseln und umgekehrt. Der Schritt ist leicht. Die Muskeln sind weich wie Baumwolle, wenn die eigentliche, innere Energie nicht aktiv ist, aber sie werden hart und straff, wenn sie eingesetzt wird. Außerdem ist die Haut weich und rosig und so sensibel, daß sie jede Berührung hören kann.
Quelle : unbekannt