Heilgymnastik
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Man kann zwei Arten von Gesundheit unterscheiden:
"natürliche" oder "künstliche".
Künstliche Gesundheit ist das Ergebnis der Anwendung
von Erungenschaften der modernen Medizin, wie
Medikamente, spezieller Diät, Vitaminen,
periodischen ärztlichen Untersuchungen. Natürliche
Gesundheit entsteht, wenn der Organismus auf natürliche
Weise dazu gebracht wird, genügend Widerstandskräfte
gegen Infektionen und vorzeitige Abnutzung zu entwickeln.
Tai Chi Chuan als Heilgymnastik ist eine Methode, die zu
natürlicher Gesundheit verhilft. Ihr Prinzip liegt
darin, durch maßvolle Bewegung den Organismus zu
normaler, natürlicher Tätigkeit anzuregen und
zu stärken, Energie ohne Anspannung, Stärke
ohne Härte, Vitalität ohne Nervosität und
die rechte Gelassenheit zu erlangen.
Hua To, der berühmte chinesische Arzt, sagte:
"Der menschliche Körper will Arbeit und
Bewegung haben, nur sollen diese nicht bis an die
Grenzen des Körpers getrieben werden.
Wenn der Körper in Tätigkeit ist, verdaut er
die Nahrungsstoffe, und das Blut durchströmt ihn,
so daß keine Krankheit entstehen kann, genau wie
eine Türangel, die nie verfault."
Folgende positive Wirkungen auf den Organismus werden
Tai Chi Chuan zugeschrieben:
- Es hält Yin und Yang im Gleichgewicht
- Es Harmonisiert das Chi und den Blutkreislauf.
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Es reguliert die Atmung (Anzahl der Atemzüge
wird geringer, der Atem wird tief, langsam und
regelmäßig)
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Es fördert die Verdauung (das Zwerchfell massiert
Magen und Darm)
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Es verbessert den Kreislauf und die Herztätigkeit
(die Zahl der weißen Blutkörperchen wächst, die
Arbeit des Herzens verringert sich, der Blutdruck sinkt)
- Es beeinflußt günstig das Nervensystem
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Es verbessert Körperhaltung und -mechanik, verbessert
den Muskeltonus, kräftigt Bänder und Gelenke, schärft
den "kinästhetischen Sinn" (d.h. verbessert
Fähigkeit, Bewegungen zu empfinden und wahrzunehmen).
Es sind drei besondere Eigenschaften von Tai Chi, die
diese Wirkungen verursachen: Haltung, Bewegungsweise
und Atmung.
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Im Tai Chi wird der Rumpf, einschließlich des Kopfes,
als Einheit betrachtet. Er wird aufrecht gehalten.
Scheitelpunkt, Wirbelsäule und Steißbein werden in eine
Linie gebracht, d.h. die Krümmung der Wirbelsäule besonders
die im Bereich der Lendenwirbel, werden ausgeglichen und
der Rücken wird gerade. Das Becken bzw. Kreuzbein steht
aufrecht und gibt so das Gewicht des Rumpfes direkt an die
Beine weiter. Die Beine sind ständig in einer Art
Viertel-Hocke gebeugt, dabei entspannt und leiten so das
Körpergewicht direkt auf die Füße weiter. Durch diese
Beinhaltung werden Bein- und Gesäßmuskulatur allmählich gestärkt.
Die Tai - Chi - Haltung ermöglicht dem Körper die bestmögliche
Anpassung an die Schwerkraft. Füße, die einen guten Stand haben
und starke Beine können ihrer Aufgabe gerecht werden, den
Körper zu tragen. Sind sie zu schwach, muß die Muskulatur des
Oberkörpers helfen, den Körper aufrecht zu halten.
Diese Haltung ermöglicht weiter eine funktionale Mechanik der
Bewegungen. Der Schwerpunkt sinkt ins Becken, und die Hüfte
wird die Basis aller Bewegungen.
Der Rumpf gewinnt die Vorherrschaft über die Glieder, d.h. die
Kraft einer Bewegung kommt aus der Rumpfbewegung und nicht
aus Schultern und Armen, wie es meistens der Fall ist.
Nur die Muskeln, die für eine Bewegung wirklich nötig
sind, werden eingesetzt, Verspannungen können sich auflösen,
die Gelenke werden kräftig und beweglich, Energie wird
gespart und die Bewegungen werden leicht und anmutig.
Da der Rumpf bei entspannter Muskulatur des Oberkörpers
in der Soloübung fast ständig aufrecht gehalten wird,
kommen die inneren Organe an die richtige Stelle, werden
nicht gedrückt oder gezerrt, können normal arbeiten und
das Chi kann frei zirkulieren.
Starke Beine spielen darüber hinaus eine wichtige Rolle
als Pumpe für Herz und Kreislauf. Die Venenklappen
hindern das Blut daran, vom Herzen wegzufließen, wenn
die Venen von den sich zusammenziehenden Muskeln
zusammengedrückt werden. So wirkt ein guter Muskeltonus und
Aktivität in den Beinen dem Zug der Schwerkraft in der
aufrechten Haltung des Körpers entgegen, und mehr Blut
gelangt zum Herzen, um dann zum Gehirn und anderen
lebenswichtigen Organen weitergeleitet zu werden.
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a.) Äußere Bewegung: Entspannt, langsam, fließend, rund
und rhythmisch.
Im Tai Chi gibt es keine extremen Bewegungen.
Die Beanspruchung des Körpers geht nie bis an die
Grenze von Müdigkeit und Überanstrengung.
Das langsame Tempo der Bewegungen bewirkt, daß der
Organismus allmählich aufgewärmt wird.
Verletzungen und Zerrungen werden vermieden.
Zu Beginn der Soloübungen sind die Bewegungen sanft und
einfach, ihr Schwierigkeitsgrad steigert sich erst im
weiteren Verlauf. Die Bewegungen sind so strukturiert,
daß nacheinander alle Muskeln gleichmäßig beansprucht
werden und kein Teil des Körpers überanstrengt wird.
Die Tai Chi Bewegungen regeln ihren Sauerstoffbedarf selbst.
Der Sauerstoffbedarf ist bei langsamen Bewegungen geringer als
bei heftiger Aktivität, gleichzeitig gelangt durch die tiefe
Atmung mehr Sauerstoff in die Lungen. Die langsamen,
rhythmischen Bewegungen wirken anregend auf den Kreislauf,
ohne den Herzschlag zu beschleunigen, so daß der Sauerstoff
rasch dahin gelangt, wo er gebraucht wird.
Ohne Beschleunigung des Atmens, ohne Herz und Kreislauf
zu belasten und ohne Überanstrengung oder Verletzung der
Muskulatur wird der Körper mit der Zeit sehr leistungsfähig
und ausdauernd.
Entscheidend ist dabei, die Muskeln völlig zu entspannen.
Angespannte Muskeln stören das Gleichmaß des Kreislaufes
und verhindern die Sensibilität der Hautnerven, die zu
entwickeln ein wichtiges Ziel in Tai Chi Chuan ist.
Nur entspannte Muskeln erlauben das Zirkulieren des Chi,
das den Blutkreislauf antreibt und sie selbst geschmeidig
und kräftig und die Haut weich und sensibel macht.
b.) Innere Bewegung: Der Geist ("psychische Kraft",
Vorstellungskraft, Wille) ist die lenkende Kraft der
Bewegung.
Was Tai Chi von Gymnastik unterscheidet, ist die Tatsache,
daß der "Geist" die lenkende Kraft ist, die den Körper in
Bewegung setzt.
Es geht um die gleichmäßig fließende gespürte Bewegung.
Jede Bewegung wird durch einen Akt der Kontemplation
innerlich vorweggenommen. Sie wird nie rein mechanisch gemacht.
Die Aufmerksamkeit ist voll konzentriert und gesammelt.
Die Sammlung der Konzentration führt zur Aktivierung von Chi
und Erwärmung des Körpers.
Stille und Gedankenleere sind die Voraussetzungen zum Üben.
Aus dieser Stille heraus bewegt die psychische Kraft den Körper.
Die langsamen Bewegungen wirken beruhigend auf das Nervensystem
und auf die inneren Organe und Drüsen, die vom Willen
normalerweise nicht beeinflußt werden können.
Von den Organen und Drüsen gehen beruhigende Impulse wieder
zurück zum Gehirn. Auf diese Weise wird das gesamte Nervensystem
geübt.
Die aufrechte Haltung des Rumpfes hilft dabei, das Gehirn
wachzuhalten und das Rückenmark zu stärken.
Nach dem Üben fühlt man sich beruhigt, erfrischt und erholt,
als ob einem "innerlich der Kopf gewaschen worden wäre".
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Im Tai Chi Chuan wird tief, ruhig und lang geatmet.
"Tief" heißt das der Atem durch die lenkende Kraft
des Geistes beim Einatmen nach unten zum sogenannten
"Tan Tien" gesenkt wird, und beim Ausatmen von dort
wieder nach außen fließt.
Das "Tan Tien" ist ein wichtiges Körperzentrum im
Tai-Chi-System. weder ein anatomischer noch
physiologischer Begriff, ist er sozusagen ein
"psychisches oder energetisches" Zentrum.
Gehen sie vom Nabel 2 bis 3 Fingerbreiten nach unten
und stellen sie sich vor das der Punkt, auf den sie
stoßen, nicht auf der Haut, sondern ein kleines Stück
innen im Bauch liegt. "Ruhig" atmen heißt, langsam und
weich zu atmen und "lang" ganz durchzuatmen.
Diese Atemmethode heißt im Tai Chi "herunter zum
Tan Tien atmen". Modern ausgedrückt ist das die Methode
der bewußt kontrollierten Bauchatmung.
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Eingeatmet wird durch die Nase, Bauch entspannt,
so daß das Zwerchfell sich zusammenziehen und senken
kann, ohne daß Brust und Schultern sich heben.
Indem es sich senkt, drückt das Zwerchfell die inneren
Organe nach unten, so daß der Bauch hervortritt und
die Lunge sich füllen kann.
Beim Ausatmen (ebenfalls durch die Nase) steiget es nach
oben und drückt die Luft aus den Lungen, die Bauchmuskeln
ziehen sich zusammen, und der Bauch sinkt ein.
Die Aufmerksamkeit wird dabei auf den "Tan Tien" gerichtet.
Mit der Zeit und ohne willkürliche Betätigung der
Bauchmuskulatur geht der Atem "herunter zum Tan Tien", d.h.
der Unterbauch macht die Atembewegung mit.
Je mehr das Zwerchfell sich senkt und steigt und je mehr die
Bauchmuskeln arbeiten, desto größer wird die Kapazität der
Lungen, die bis in ihre untersten Spitzen hinein gefüllt werden.
Zu spüren, wie der Atem in den Unterbauch (zum "Meer des Atems")
heruntergeht, hat eine wohltuende und entspannende Wirkung.
Ein Meister beschreibt den Zustand des Körpers nach
langem Üben von Tai Chi Chuan :
"Die Wangen sind von gesunder roter Farbe, die Schläfen
voll pulsierendem Leben, die Ohren karmesinrot, sie
hören scharf, und die Augen sind hell und funkeln vor
Energie. Die Stimme ist laut und trägt weit.
Der Atem geht regelmäßig, ohne Hast und Keuchen.
Zähne, Zahnfleisch und Kiefer sind gesund und stark.
Die Schultern und die Brust sind kräftig und geschmeidig.
Der Bauch ist stark und elastisch wie das Fell einer
Trommel. Die Füße stehen so sicher, als seien sie im
Boden verwurzelt, und sind doch fähig, von fest
nach leer zu wechseln und umgekehrt.
Der Schritt ist leicht.
Die Muskeln sind weich wie Baumwolle, wenn die eigentliche,
innere Energie nicht aktiv ist, aber sie werden hart und
straff, wenn sie eingesetzt wird.
Außerdem ist die Haut weich und rosig und so sensibel,
daß sie jede Berührung hören kann.
Quelle : unbekannt
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